Am Samstag, 24.07.2010 ist es soweit. Palatia Jazz präsentiert Jan Garbarek feat. Trilok Gurtu in den Gemäuern der Klosterruine Limburg.
“Es ist ein Rätsel, wenn man darüber nachdenkt“, sinniert Jan Garbarek in einem Interview mit der Internetplattform nordische-musik.de, “ich war 14, ein kleiner Junge in Norwegen, der Radio hörte, nachdem irgendjemand eine Platte von John Coltrane zu einem örtlichen Sender gebracht hatte. Es war Musik aus den USA, gespielt von einem schwarzen Musiker, mit einem ganz anderen Hintergrund. Es hätte nichts Gegensätzlicheres zu meinem damaligen Leben geben können. Aber als ich diese Klänge hörte, erwischte es mich. Diese Musik berührte mich sehr emotional. Rückblickend war diese Begegnung ein Wendepunkt in meinem Leben: denn es heißt, durch Musik gäbe es die Chance ganz tief in einem Menschen etwas zu bewegen.“ Fortan tauchte Garbarek ganz in das hinein, was er von nun an tun wollte und wurde vom Saxophon, “völlig absorbiert.“ Die Musik des Autodidakten, dessen Stil sich weit über die ursprünglichen Einflüsse von Dexter Gordon und John Coltrane hinweg entwickelt hat, weckt auf sehr einfache und doch innige Weise Assoziationen und berührt tiefere Gefühlsebenen. “Unsere Musik bringt uns mit allen Teilen unserer Persönlichkeit in Kontakt - auch mit unseren spirituellen Anteilen, was immer das auch ist.“ All dies vereinigt sich in Garbareks Schaffen: von kongenialen Verbindungen klassischer und traditioneller Musik mit improvisierten Elementen. So enthält sie auch die nicht mit Verzückung zu verwechselnde meditative Kraft, die gerade in seiner Musik vorbildlich wurde. Ein freies und doch melodiöses Spiel, die langsamen Tempi gedämpfter Stimmungen, bevorzugend.
Der britische Guardian schrieb über Garbareks “Dresden-Projekt“: “Der Kontrast zwischen einem dichten, an Jamsessions erinnernden Sound und der liedhaften Schlichtheit der Melodien war schon immer Garbareks magische Mischung, doch diese Version seiner Band besitzt eine geradezu rauschhafte Intensität.“
Jan Garbarek ist Meister einer unglaublich melodieintensiven Musik, die direkt in die Seele eindringt. Weite Klangräume, die von der absoluten Stille bis zum expressiven Ausbruch reichen, strahlen eine ungemeine Ruhe aus, die jedoch keine Sekunde Langeweile bedeutet. Seine Konzerte entwickeln sich höchst organisch in weiten Spannungsbögen. Diese Musik atmet und lässt atmen. Diese Musik klingt einfach und komplex zugleich, ist hymnisch und karg, spielerisch und ernsthaft, versunken und ungemein offen, intensiv statt sentimental.
Der Norweger Jan Garbarek, geboren 1947, gilt als die originärste europäische Stimme im Jazz seit Django Reinhardt. Er ist heute einer der Superstars der internationalen Musikszene und zugleich einer der prägenden Stilisten des kammermusikalischen Jazzidioms. Seine Klangwelten gelten als wegweisend für die Entwicklung der Improvisationskultur der vergangenen vier Jahrzehnte. In den frühen 1960iger Jahren begann er seine Karriere, später spielte er mit vielen amerikanischen Musikern zusammen, unter anderem mit Don Cherry, George Russell, Ralph Towner und von 1972 bis 1979 mit Keith Jarrett. Seit den achtziger Jahren hat der stilistisch vielseitigste Jazzmusiker seiner Generation Einflüsse unterschiedlichster Kulturen verarbeitet. Seit seinem Debüt “Afric Pepperbird“ (1970) veröffentlichte er bis dato mehr als vierzig Alben.
Beim Internationalen Jazzfestival palatia jazz wird Jan Garbarek unterstützt von seinem langjährigen Wegbegleiter an den Keyboards Rainer Brüninghaus, dem brasilianischen E-Bassisten Yuri Daniel und dem indischen Meistertrommler Trilok Gurtu.
Yuri Daniel, ein in Portugal lebender Brasilianer, dessen bisherige musikalischen Wirkungsstätten von Maria Joãos Band bis hin zum Lisbon Underground Music Ensemble reichen, hilft, die pulsierenden rhythmischen Muster zu verankern. Rainer Brüninghaus, Mitglied der Jan Garbarek Group seit 1988, behält dabei seine bewährte Rolle als aktiver Farbgeber. Sie schaffen ein Klima, in dem sich Garbareks hymnisch-deklamierende und ungeheuer melodischen Soli – befeuert von Gurtus treibender Percussion - voll entfalten können. Mit untrüglichem Gespür für Dichte und Atmosphäre kreiert Garbarek geheimnisvolle Klangwelten, die Spuren in unserem tiefsten Inneren hinterlassen, eine sinnliche Sensation.
Der aus Bombay stammende und in Hamburg lebende Percussionist Trilok Gurtu ist ein Wanderer zwischen den Welten. Doch seine Odyssee verlief niemals geradlinig von Punkt A nach Punkt B. Der indische Meisterperkussionist drehte Kreise, spannte Netze, schuf ein dichtes Gewebe von Einflüssen aus verschiedensten Regionen und musikalischen Epochen. Zeitgenössische Begriffe wie Allrounder oder Multitasker erfassen nur höchst unbefriedigend Trilok Gurtus tiefe Spiritualität und sein Einfühlungsvermögen in verschiedene Kulturen. Joe Zawinul, Don Cherry, Bill Evans, Pharoah Sanders, Dave Holland, John McLaughlin, Bill Laswell, Maria João, Gilberto Gil, Annie Lennox, Pat Metheny - um nur einige zu nennen - wurden alle von Triloks brennendem Sinn für Rhythmus angezogen. Nach 1998 und 2008, wo er mit seinen eigenen Formationen auftrat, ist dies der dritte Besuch von Trilok Gurtu beim Internationalen Jazzfestival palatia jazz.
Quelle: palatia jazz
Beginn: 21 Uhr / Einlass 18 Uhr (kulinarisches Programm)
Eintrittskarten
28,- Euro bis 58,- Euro
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